Zehn Jahre…

…. nicht hier gewesen und alles ist anders. Wirklich anders? Eigentlich nicht, denn so mancher, den ich von früher her kannte, finde ich auch nach zehn Jahren noch hier wieder. Der gleiche Mann, die gleiche Frau, nur eben zehn Jahre älter.

Der ein oder andere erzählt mir eine tolle Geschichte, seine Geschichte. Und doch ergibt sich für mich ein Bild, mit dem ich nicht gerechnet hab. Ein Bild, das mir Angst macht und mir zeigt, was ich alles verändert hab in den letzten zehn Jahren.

Zehn Jahre trennen uns und doch ist mancher froh, mich zu sehen, mich wiederzuerkennen. Und mir geht’s ebenso. Es ist keine Qual, ein altbekanntes Gesicht zu sehen, auch wenn ihm die Zeit ins Gesicht geschrieben steht. Ich mag es, wenn Leute sich verändern. Leider war es heute nur eine äußerliche Veränderung, die ich bemerkte. Eine Veränderung, mit der man rechnet, wenn man zehn Jahre nicht in der Stadt war, in der man zuvor alles getan hatte, um MITTENDRIN zu sein.

Nun bin ich draußen… Für all die Anwesenden ist der Raum hier ein allgegenwärtiger, denn sie waren immer hier, haben die letzten zehn Jahre die Stellung gehalten, so manch einer sicher mehr als ein anderer. Doch insgesamt hat sich hier wenig getan. Leider…

Ich war zehn Jahre weg. Und der Vergleich besteht nicht. Ich wünschte mir nicht, hier geblieben zu sein. Es gibt keine einzige Träne, keine Reue, einfach weg gegangen zu sein.

Aber solche Tage haben auch ihren Wert. Sir zeigen mir, dass ich das verändert hab. Dass ich mich verändert hab, dass mein Leben mir viele Gesichter geschenkt hatte. Auch wenn ich jetzt wieder daheim bin. Was wird nur werden?

Noch einmal zehn Jahre entfernen? Noch einmal einen Ausweg, eine Auszeit, einen anderen Weg gehen?
Ja, das ist meine Erfahrung – immer wieder! Es sind nicht nur zehn Jahre! Es sind die vielen Ereignisse, die mich erneut beflügeln, mich hinaus ziehen in die weite Welt!

Wenn ich heute Abend hier in dieser Kneipe stehe, dann spüre ich es ganz deutlich… meine Veränderung! Alles ist anders – bei mir. Meine ganze innere Stimmung ist eine andere. Und das kann ich nun nicht mehr ignorieren, nicht mehr leugnen, denn es ist jetzt so offensichtlich, so klar vor meinem Auge. Ja, der Abend hat sich gelohnt, auch wenn er eigentlich eine Pleite war. Wir sind anders geworden in den letzten zehn Jahren, haben unsere Sterne verändert! Das, was uns unmöglich erschien, ist uns gelungen. Und, wie wir nicht dachten, dass wir überhaupt irgendwas ändern könnten. Es ist toll, das nun zu erkennen, dass wir nicht mehr die sind, die wir einmal waren.

Was kommt jetzt? Die Synthese? Aus all dem Erlebten, aus all den verschiedenen Stationen?
Doch so manches ist gleich geblieben: die Fassaden. Die immer gleichen Räume. Als wären die letzten zehn Jahre eine Minute. Die Fassaden sind uns geblieben. Selbst wenn ich mir Filme aus dem vorigen Jahrhundert ansehe, stehen dort die gleichen Fassaden. Daran ändert sich wohl nie etwas. Die Fassaden sind uns gegeben.

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